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Tracht

Der barocke Charakter der Frauentracht, mit Wollrock, Seidenschürze, buntem Mieder und Mailänder Seidentuch, ist ausgeprägt durch die Vielfalt verschiedener Hauben in Gold und Silber, Hohl u. Klöppelspitzentechnik, von uns selbst gefertigt. Dazu gehört auch der Sonnenschirm, sowie ein selbst bemalter Korb.

Die Männertracht ist ganz im Zeitalter des Biedermeier gehalten. Lange Hose, Weste, Gehrock und Zylinder. Dazu trug er "Schnallenschuhe".

Je nach Reichtum der Familie trug der Mann an seiner Weste eine Uhrenkette mit mehr oder weniger Münzen.

Die Tracht der jungen Mädchen und noch unverheirateten Frauen unterscheidet sich nur in der Art der Haube und weniger Verzierung am Mieder von der Frauentracht.

Sie tragen das Kinderkäppele oder Jungfernhäubchen. Diese Form der Kopfbedeckung ist aus Stoff, verziert mit Borten und Perlen. Diese Art Kopfbedeckung trugen auch die jungen verheirateten Frauen bei der Hausarbeit.


Die Altdorfer Bürger- und Bürgerinnentracht

Unser Altdorf bzw. Weingarten um 1800, eine kleinstädtische Gemeinde mit großem ländlichen Einflussgebiet (18 Bauernhöfe im Ortskern und am Randgebiet), hatte nach der Säkularisation der ehemals so mächtigen und kulturfreudigen Reichsabtei Weingarten einen tiefen Fall wirtschaftlich und kulturell getan. Dazu kam noch die folgenschwere Eingliederung ins Königreich Württemberg, das dem Reichsflecken die letzten Rechte und Privilegien nahm.

 War die Wirtschaftskraft des Gemeinwesens schon sehr in Mitleidenschaft gezogen worden, als die klösterlichen Aufträge für Handwerker, Händler und Künstler ausblieben, so war kulturell ein sehr starker Niedergang zu verzeichnen, als durch die säkularen Bestimmungen des Konstanzer Generalvikars Freiherr von Wessenberg die Bruderschaften, der Blutfreitag sowie deren Begleiterscheinungen verboten wurden.

Große Teile des Landvolkes, für die kirchlichen Festtage eine willkommene Abwechslung gewesen waren, wo man sich im Schmuck der Trachten zeigen konnte und auch gehörig gefeiert hatte, dies war aufgrund der Verbote nicht mehr möglich. Als schließlich noch die Thurn- und Taxissche Poststation aufgehoben wurde, war das Elend des Fleckens, das ja durch Kriegsschulden (Beschlagnahmung, Kontributionszahlungen) und die Zwangsgelder an Württemberg schon groß genug war, noch unerträglicher.

In all jener Zeit, die sich erst 1825-30 etwas wirtschaftlich und kulturell besserte (Gründung neuer Betriebe, Wiederauflebung des Blutfreitags, Gründung der Lanziergarde, Fasnachtsspiele) kündete die Altdorfer Tracht von besseren Zeiten.

Trotz der wirtschaftlichen Schwierigkeiten trug die mittlere Schicht des Bürgertums ihrer Standeskleidung Rechnung. Zwar veränderte sich die Bürgerkleidung in den vorderösterreichischen Landstädten schneller als in den bäuerlichen Landgemeinden, aber die Grundteile der Tracht blieben bis 1860, mit Unterbrechung und bedingter Verwässerung, sogar bis 1890 an Heimat- und Fasnachtstagen erhalten:

Radhaube, Wiener- oder Mailänder Schal bzw. Tuch und die Seidenschürze.

Vor allem die Modeeinflüsse von 1820-40 veränderten die Tracht, während bestimmte Trachten-Teile wie das verzierte Mieder und das „Jungfernhäubchen“ noch an die letzten Jahre des Rokoko erinnern.

Trug zu Zeiten des Reichsklosters die vermögende Schicht des Bürgertums noch dem höfischen Prunk des Barock und Rokoko Rechnung, so war nach 1820 der Einfluss Frankreichs vor allem im Oberteil und in den Ärmeln erkennbar.

Die Bürgerinnentracht bestand aus einem knöchellangen Bahnenrock mit Silber- oder Goldborten verziert. Das Oberteil aus einer taillierten Jacke mit Schößchen und leichten Schinkenärmeln war gold oder silbern verziert und trug ein Stehkrägelchen am Halsausschnitt und an den Manschetten geaufrierte Spitzenbesätze. Darüber trug man eine schmale, unten aufspringende, gold oder silbern verzierte Seidenschürze unifarben oder bunt mit eingewobenen Blumenranken. Je mehr es auf 1850 zuging, je pompöser wurde die Tracht. Bald war der Rock stark gefältelt und mit dem Oberteil durch eine angehobene Taille verbunden.

 

Auch der Ärmel wurde am Oberarm sehr fällig und das hochgeschlossene Jackenteil wurde durch ein Dekolleté ersetzt, meistens mit Spitzenkragen von großem Ausmaß verziert. Nur die Radhaube wurde unverändert dazu getragen, sowie der Mailänder Seidenschal als Stecktuch.

Die Rad- oder Bodensee- oder Schwabenhaube kommt in ihren Ursprüngen von der Tschappel über die Heckenhaube, sowie der Gold- oder Silberhaube aus dem Barock der Augsburger Gegend über die Allgäuer Regina-Haube in unsere Gegend und breitete sich über Österreich bis in die Schweiz aus, also rund um den Bodensee bis weit ins Hinterland.

Die Rad- oder Gimpenhaube aus Gold- oder Silberlameebändchen in schöner Rokoko- Ornamentik gearbeitet, bestand aus einem Durchmesser von 30-65 cm.  Das „Kopfbödele“ war mit schönen Verzierungen gearbeitet und am Rand zum Trägerinnenkopf zu mit weißer Spitze umrahmt. Mittels des Haarpfeils wurde die Haube am Kopf bzw. am Haarknoten befestigt. Hinten war das Rad mit einer lose fallenden Seidenbändergarnierung versehen, mit deren Enden die Haube unter dem Kinn gebunden wurde.

 Später, ab 1830, trug man auch die schwarzen oder roten Genille- Hauben (sprich: Schenell). Genille war ein raupenartiges Florfaden-Schnürchen, das schon im 18. Jahrhundert zu vielen Stickereien und Garnierungen Verwendung fand.

 Die jungen Mädchen trugen das Jungfernhäubchen, ein mit Gold- oder Silberborten verziertes Häubchen, das stark an Rokoko-Kappenformen erinnerte.

 Zu dieser Tracht trug die Bürgerin gewirkte weiße Strümpfe, mit Zopf- oder Rillen- Zickzackmuster und schwarze Schnallenschuhe. Um den Hals legte man sich das Kropfband (Halshenker) mit schöner Broschenschließe, verziert mit Granaten; an den Ohren das „Berlok“, eine lang herunterhängende Ohrzier. An den Händen trug man lange Garnhandschuhe, welche die vorderen Finger unbedeckt ließen. Im Winter hatte man den warmen Wiener Schal um die Schultern gelegt, während im Sommer zum leichten Rock ein Mieder getragen wurde, garniert mit dem Mailänder Tuch. Das Mieder mit verzierter Vorderseite war geschnürt und mit Borten an den Trägern verziert. Darunter trug man eine lange oder kurze Leinenbluse mit eingearbeitetem Goller und starkem Armkugelfältel.

Im Winter war die Stoffart zu Beginn des 19. Jahrhunderts Woll- und Jacquardstoffe mit bunten eingewobenen Blumen, während im Sommer der Kattun (Seidenglanzstoff) benützt wurde.

In der Hand trug man ab 1830 den Sonnenschirm und wenn man einkaufen ging einen geflochtenen Henkelkorb in anmutiger Vasen- oder Halbkreisform, holzfarben oder bunt bemalt. Ab 1840 kam dann der Pompadourbeutel in Mode und zum Einkaufen trug man die Leinentasche groß und schön mit Bändergarnierung versehen.

 Ab 1848-55 fand dann die Krinoline Eingang in die Flecken-Mode und auch das Mieder verschwand endgültig und tauchte erst 1890 in Fasnachtsspielen wieder auf. Doch immer noch trug man die schöne Radhaube in Gold oder Silber oder Genille.

Soweit der Altdorfer Bürger nicht Amt- oder Klosterlivrée oder Zunfttracht trug, sah man ihn im Tuchüberrock in hellen Farben, die ab 1810 dunkler wurden. Darunter hatte er eine gestickte oder einfarbige verzierte Weste hochgeschlossen mit Sizten- Jabots (Krawattenart), später etwas vergrößertem Ausschnitt und das gebundene Halstuch mit Münzverzierung.

Den Kopf bedeckte der Dreispitz, später der breitrandige Hut mit Zylinderkopf und dann der englische Zylinder.

Der Stolz eines jeden Mannes war seine Bauchkette mit einer schönen Uhr, geschnürt mit Ziertalern (Nesteln), sowie sein Spazierstock mit Elfenbeingriff oder Metall, dazu das eingebaute Feuerzeug.

Um 1830 kamen dann der englische Gehrock in Mode sowie der Röhrenhose und die bunte Halskrawatte, der Plastron (breite, weiße Krawatte)  und der konische Zylinder.

  In der Zeit nach 1855-60 dürfte die Tracht auch in einzelnen Teilen ganz aus dem Bild des Fleckens verschwunden sein. Erst 1880-90 tauchte sie, etwas verwässert, bei Theateraufführungen der Fasnacht wieder auf.

Erst Dr. Fritz Mattes, der große Erneuerer des fasnächtlichen Brauchtums, gab ihr in der Plätzlerzunft Altdorf- Weingarten eine Überlebenschance. Auch die Narreneltern trugen von da an die Altdorfer Tracht (1928) und bei den Heimatspielen wirkte sie mit.

Dies ist als sehr dankenswert anzuerkennen, da die Tracht sonst die zwei Weltkriege nicht überlebt hätte. Zwar wurde im Laufe der Zeit in Unkenntnis der Schnittart des Materials und der Zusammenstellung sowie die Utensilien die Tracht verfremdet, aber mehrere alte Gegenstände blieben dadurch erhalten, da sie immer wieder gebraucht wurden.

 1972 machte sich Jürgen Hohl aufgrund des alten Quellen- und Materialsstudium daran, die Tracht auf den Urzustand von 1830 zurückzuführen. So wurden das längst vergessene Mieder der Frauentracht, das Jungfernhäubchen und die Herrentracht wieder belebt.

 Durch die tatkräftige Mithilfe einiger begeisterter Altdorfer- Weingärtler Bürger, hauptsächlich aus der Plätzler- Zunft, wurde dann eine Trachtengilde ins Leben gerufen, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, die Belange der alten wieder auferstandenen Bürgertracht zu vertreten, sie in den Festablauf des örtlichen Gemeindegeschehens einzugliedern und durch Eintritt in den Bodensee- Heimat- und Trachtenverband für eine überregionale Bekanntmachung der Tracht zum sorgen, da im ganzen Schussental nicht eine Gemeinde die alte– bodenständige Bürgertracht mehr trägt.